Und herzlich Willkommen zurück auf meinem Blog. Herzlich Willkommen in meinem neuen Schuljahr auf der Akutstation einer Kinder-und Jugendpsychiatrie. 4 Jahre Pause liegen jetzt hinter mir, 2 Geburten und ein Hauskauf, einige Reisen und viel Abstand zu diesem Job, der von Beginn an wieder einiges abverlangt von mir in der Rolle als Lehrerin. Und ich bin sehr gerne Lehrerin. Genau dort, wo ich wieder gelandet bin.

Ich freue mich auch, wieder hier zu sein. Hier auf meinem Blog. All das los zu werden, was sich über einen Schultag ansammelt. Und das ist in meinem Falle recht viel. Hier gewähre ich Einblicke in einen Schulalltag, der für viele gar nicht existiert, weil es nicht bekannt ist, dass man als Schülerin im Krankenhaus auch zu Schule gehen darf/muss/kann.

Hier geschieht so vieles, das es Wert ist, nieder geschrieben zu werden. Junge Menschen leisten so viel, während sie an einem sehr tiefen Punkt in ihrem Leben angekommen sind: in der Psychiatrie. Geschützt untergebracht und weg von Zuhause bedeutet dieser Schritt eine Kehrtwende für einige. Und das ist auch gut so.

Mein Klassenraum befindet sich in der Schleuse. Das ist ein Flur, der zwischen offenem Bereich und der geschützten Abteilung liegt. Nur Befugte haben einen Schlüssel, um von draussen nach drinnen zu gelangen und umgekehrt . Somit sitzen auch Neuaufnahmen in diesem Flur, direkt gegenüber des Klassenraumes. Eine denkbar ungünstige Situation, weil Schüler und ich manchmal das Geschehen vor der Tür mitbekommen. So wie heute.

Eine neue Patientin wartet mit ihren Eltern auf ein Arztgespräch. Sie unterhalten sich. Ich höre, dass es zu laut ist, da meine Schüler möglicherweise den Inhalt mitbekommen können. Daher gehe ich kurz an die Tür, öffne sie und bitte die 3 Personen, etwas leiser zu sprechen, auch aus ihrem Interesse. Was ich als Antwort ernte: eine Mutter, die komplett ausrastet, aufsteht und zur Schleusentür geht und mich anbrüllt, ich solle ihr aufsperren. Sie sei ja nicht bekloppt, das sei nur ihre Tochter. Und wie sich die Tochter schämt für das Verhalten ihrer Mutter. Es wird noch schlimmer, als diese mir androht, die Tür einzutreten. Ich sage mit ruhiger Stimme, dass ich die Station benachrichtigen werde und dass ich nicht befugt bin, für Eltern die Türen zu öffnen. Und dann schliesse ich meine Klassenzimmertür. Dort erstaunte Blicke meiner Schüler, alle selber mit einer Bandbreite an Lebensläufen, die man sich nicht ausdenken würde. Und Angst in den Augen. Zum Glück kann ich sie beruhigen, indem ich sage, dass die Tür von aussen einen Knauf hat und niemand ohne Schlüssel hereinkommt.

Der gewaltbereite Schüler mit Hooligantattoos will sich die Mutter direkt vorknöpfen. Auch wieder zum Glück kann ich ihn davon abhalten. Ach ja, und Unterricht. Den habe ich heute auch gemacht. Nach der Visite, die für meine Schüler denkbar ungünstig gelaufen ist. Da mussten erst einmal Tränen getrocknet werden, Situationen geklärt und durchgeatmet werden. Dann ein bisschen Mathe, Deutsch und Kunst.

Mathe, Deutsch und Kunst. Ich hoffe, dass es morgen ruhiger wird und die Schülerinnen und Schüler sich besser in ihre Situation eingefunden haben. Damit sie aus ihrem Potential schöpfen können und kleine Erfolge für sich erzielen. Das ist nämlich wichtig. So verdammt wichtig.

 

Herzlich Willkommen zurück!