Gestern habe ich auf Twitter geschrieben, dass ich nach meiner Elternzeit nicht mehr als Lehrerin in einer Psychiatrie arbeiten möchte. Ich bin nun auf der Suche nach einer neuen Arbeit. Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, auf der Suche nach einem neuen Kollegium und überhaupt: auf der Suche nach meiner Fähigkeit, als Mutter von 2 Kindern Beruf und Familie zu verwirklichen.
Als ich mein Referendariat als Förderschullehrerin in den Bereichen geistige Entwicklung und Sprache abschloss, hatte ich noch keine Ahnung, dass ich in eine komplett andere Richtung gehen werde: meine erste Stelle hatte ich als Klassenlehrerinnen von 6 Jungen, die sich wegen massiven sexuellen Übergriffen in einer einjährigen therapeutischen Intervention befanden. Das war eine grosse Aufgabe.
Nach einem Jahr lief mein Vertrag aus und ich suchte nach einer neuen Stelle. Die fand ich in einer Psychiatrieschule. Dort wurde ich dann auch zügig verbeamtet und arbeitete fortan mit schwer kranken Schülerinnen und Schülern, die auf der Intensivstation untergebracht waren. Alle möglichen psychischen Krankheitsbilder liefen mir in den 5 Jahren über den Weg. Auch das war eine grosse Aufgabe.Ich habe das sehr gerne gemacht.
Meine Arbeit wurde vom Team der Station vollumfänglich anerkannt. Das war Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das tat so gut. Denn vieles, was ich als Lehrerin in der Psychiatrie erlebt habe, hat sich auch einen kleinen Platz in meiner Seele genommen. Ich glaube, dass das nur gut sein kann. Ich weiss um Dinge, die viele gar nicht erahnen. Daher kann ich das gesunde Leben so sehr schätzen. Und vor allem habe ich junge Menschen erlebt, die sich trotz schlimmster Erkrankungen bereit erklärten, mit mir einen Unterrichtstag zu gestalten. Das ist Höchstleistung, davon muss man sich was abgucken. Wer mein Blog in der Zeit las, konnte einen guten Einblick über all das erhalten.
Dann trat ich 2014 schwanger mein Sabbatjahr an und irgendwie merkte ich schon, dass sich etwas veränderte. Der Gedanke, wieder in die Psychiatrie zu gehen, gefiel mir mehr und mehr nicht mehr. Das dauerte aber tatsächlich gut 3 Jahre, bis ich das schliesslich auch offen sagen konnte. Das hat mit Veränderung zu tun und Veränderung bedeutet, raus aus der Komfortzone des Altbekannten und Gekonnten, rein ins kühle Nass der neuen Erfahrungen.
Das heisst nun für mich: ich werde im Sommer 2018 nach meiner Elternzeit an eine neue Schule gehen und eine völlig neue Aufgabe haben. Als Förderschullehrerin ist es nicht so, dass ich wie einige Regelschullehrerinnen in meinem Bekanntenkreis mit 2 Fächern an ein anderes Gymnasium wechsele und dort weiter mache.
Ich werde vielleicht an eine Förderschule gehen. Welcher Förderschwerpunkt ist dabei völlig offen. Vielleicht werde ich in die Inklusion versetzt. Als Lehrerin, die angeblich wissen muss, wie man Schülerinnen mit Förderschwerpunkten in eine Regelschulklasse integriert und auch umgekehrt. Aber woher soll ich das wissen? Das werde ich mir erarbeiten müssen. Genau wie jede andere Tätigkeit, die ich dann machen werde. Aber ich habe das grosse Lust drauf. Mit jungen Menschen zusammen arbeiten, sie im Lernen zu begleiten und auch in ihrem Wachsen. Das habe ich in den letzten Jahren immer vermisst. Auf der Intensivstation waren meine Schüler im Schnitt für 2 Wochen. Manchmal war ich froh darum, oft nicht.
Natürlich kann ich mein Schicksal walten lassen und mich von der Behörde blind versetzen lassen. Ich kann das Ganze aber auch selber in die Hand nehmen und auf die Suche nach meiner neuen Arbeit gehen. Bisher hatte ich da immer grosses Glück.
Und jetzt ja vielleicht auch?
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