„Kaisergeburt, nicht Kaiserschnitt.“ ist der Satz, den wir seit der Geburt unseres Kindes sehr häufig sagen. Und weil fast niemand diese Art der Geburt kennt und ich sie seit Erleben sehr wert schätze, sei in diesem Artikel kurz und knapp darauf eingegangen, wie es letztlich dazu kam.

Für werdende Eltern: dies ist kein Bericht über Schmerzen und Intensität und soll keine Angst vor der Geburt machen. Im Gegenteil. Kurz und wenig detailliert fasse ich zusammen, wie sich der Geburtsverlauf entgegen unserer Erwartungen und Wünsche  entwickelte und schließlich damit endete, dass wir sagten und auch heute noch meinen: „Das war eine schöne Geburt.“

Gestartet im Geburtshaus ohne Schmerzmittel und mit der einfühlsamen Unterstützung unserer Hebamme, war der Gebärmuttermund innerhalb von 7 Stunden auf 8 cm geöffnet. 3-4 Stunden davon sass ich in der Wanne und genoss es regelrecht, von Wasser und Wärme umgeben zu sein. Da sich leider das Köpfchen des Kindes nicht in das Becken fest stellte, empfahl uns die Hebamme nach insgesamt 8 Stunden, in die Klinik zu fahren, die wir im Vorhinein für diesen Fall fest gelegt hatten. Die Hebamme spritzte mir einen Wehenhemmer und gab mir Spray, das ich während der Fahrt durch den Schnee einatmen sollte. Und ich war in dieser Phase tatsächlich wehenfrei. Der Hebamme vertrauen und ihr Wort annehmen – das war in dieser Situation das Zielführendste.

In der Klinik angekommen gab es dann nach der Zeit des Kennenlernens eine PDA und ich war schmerzfrei. Leider setzte sich das Köpfchen immer noch nicht in die erforderliche Position und nach einiger Zeit und vollständig geöffnetem Muttermund bekamen wir in sensibler Ansprache die Diagnose „Geburtsstillstand“. Auf natürliche Weise gebären war damit ausgeschlossen und die Operation stand bevor. Wichtig hierbei ist, dass wir zusammen mit dem Arzt die Entscheidung trafen, die Geburt auf diesem Wege zu beenden.

Da wir in eine ausgesuchte Klinik verlegt worden waren, die ganzheitlich arbeitet und der Idee des Geburtshauses sehr nahe steht, wurde auf unseren Wunsch hin die „Kaisergeburt“ gemacht.

Sie unterscheidet sich in einigen Punkten vom Kaiserschnitt. Wichtig für uns war, dass wir die Geburt des Kindes sehen konnten. Hierfür wurde der Vorhang dann zum richtigen Zeitpunkt nieder gelegt und wir hatten freien Blick auf das eigentliche Geburtsgeschehen: die Entnahme des Kindes aus meinem Bauch heraus. Ohne dabei Blut und die offene Wunde zu sehen: dafür war der Bauch noch zu gross. Das Kind wurde vom Arzt langsam heraus geholt und sofort mit dem Blick zu uns gewendet: der erste Blick des Kindes ging somit zu uns, den frisch gebackenen Eltern. Vom Vater die Nabelschnur durchtrennt, wurde es mir sofort auf den Oberkörper gelegt und wir konnten zu Dritt die ersten Lebensminuten erleben, während das Ärzteteam seinen weiteren Aufgaben nachging. Wir bekamen davon nichts mit.

Das Kind war ohne Umweg sofort bei uns und blieb. Keine Hebamme, die es für eine Zeit von uns weg und zu Untersuchungen mitnahm. Wir wurden statt dessen zurück in den Kreisssaal verlegt und staunten über unser Wunder. Es war ein Erlebnis, das in seiner Tiefe und in seinem Glück nicht die richtigen Worte findet.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass diese Art der Geburt (natürlich nach den vielen Vorteilen der spontanen Geburt) als richtig erwies: hier und hier kann man über die günstigen Bedingungen lesen und Mut schöpfen, dass wenn es mit der natürlichen Geburt aus verschiedenen Gründen nicht klappen sollte, diese Methode zum Glück führen kann.

Was ich aus unserem Geburtsverlauf mitgenommen habe: ich weiss nun, dass eine Geburt im Geburtshaus und ohne Schmerzmittel dank der Unterstützung der Hebamme und richtiger Atemtechniken machbar ist. Ich kenne, das Gefühl, wenn die PDA einsetzt und der Körper vor weiteren Wehenschmerzen verschont bleibt. Ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn der Chefarzt die Diagnose „Geburtsstillstand“ übermittelt und ich habe erlebt, wie eine Kaisergeburt ist. Das alles ist machbar und mit der richtigen Begleitung ein Prozess, der am Ende noch stärker macht.

Ich habe durch diese besonderen Stunden keinen Schrecken davon getragen. Zu jedem Zeitpunkt fühlte ich mich sehr gut betreut und war imstande und wurde gefordert, Entscheidungen mit zu treffen. Das Ganze macht es mir leichter, den ungeplanten Weg bis hin zur Ankunft unseres Kindes zu gehen. Mit meinem Partner das Gefühl zu haben, selbstbestimmt durch diese Phasen gegangen zu sein, ergänzt das Gefühl: „Es war eine schöne Geburt.“

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