Und ein Jahr vorbei. Mal wieder, zum Glück, mit Jubelrufen schon lange sehnsüchtig erwartet.

Auch in diesem Schuljahr war ich Lehrerin für diesmal 268 Schülerinnen und Schüler, die wegen psychischer Erkrankungen geschützt untergebracht werden mussten. Gerade angekommen in der Psychiatrie. Für kurz oder lang. Für Besseres und die Zukunft.

Im Unterricht saßen solche, die wegen Drogenmissbrauch da waren, Alkoholiker, Kiffer, Junkies. Und jene, die nicht mehr Leben wollten und sich schon ein Ende ausgedacht hatten oder schon einen Schritt weiter waren. Ich arbeitete mit jungen Menschen zusammen, die Depressionen hatten, die an einer Psychose litten, dem Borderlinesyndrom unterlagen oder verfolgt wurden. Junge Mädchen, die magersüchtig waren. Verwahrloste Kinder von der Straße. Autistische Menschen und solche mit geistiger Behinderung. Junge Leute, die missbraucht wurden oder es selbst getan haben. Flüchtlinge und Traumatisierte. Mädchen und Jungen mit Zwangsstörungen oder Störungen des Sozialverhaltens. Delinquente und Verwaiste. Große und Kleine, Förderschüler bis Gymnasiasten. Alternativ begabt bis hoch intelligent. Nette Schüler und aufmerksame. Hausaufgabenmacher und Nichtmacher. Verweigerer und Rotzlöffel. Alle mit ihren Erkrankungen und alle mit der Bereitschaft, Schule zu machen und weiter zu machen. Ein Weiter, damit es wieder raus geht. An die frische Luft, zurück in die Gesellschaft, wo das schöne Leben wartet.

Und jetzt ist ein Schuljahr vorbei. Jetzt mach‘ ich Pause und lösche die Geschichten von der Festplatte meiner Seele, damit ich durchatmen kann und Abstand gewinne. Hoffentlich am Meer.

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