Und verkaufen ist das große Ding. Kleine Sachen verkaufen, die eine große Wirkung haben. Große Sachen verkaufen, die ein kleine Wirkung haben. Immer wieder  und immer wieder gerne tu ich das in meinem Job. Kostenlos und mit enormen Nachklang.

So wie heute. Mittwochs bin ich nach dem Unterricht die Hausaufgabenlehrerin in der Tagesklinik. Hier werden kleine Leute im Grundschulalter zusammen getrommelt, um ihre Hausaufgaben zu machen. Weil sie es müssen. Und nicht wollen. Müssen, aber nicht wollen. Große Diskussionen, die sich Machtherrscher der Welt abschauen könnten, stiller Prostest und totale Hingabe. All das in 45 Minuten. In diesen Minuten wird geflüstert, werden Sternchen verteilt für den, der fleißig arbeitet und leise ist. Und seine Hausaufgaben somit erledigt, ehe es am Nachmittag dann nach Hause geht. Ein Konfliktherd weniger in den Familien.

Und heute kam um 10 Minuten vor Schluss ein neuer Schüler in die Hausaufgabenbetreuung hinein gestürmt:

‚Oh, Alter! Is die bekloppt! Gibt die mir so eine Scheiße auf, ey! Macht die immer, die blöde Kuh!‘

-‚Pssst. Bitte sei leise, die anderen Kinder sind fast fertig. Setz Dich bitte hin und ich erkläre Dir, was wir hier machen.‘

‚Ey kannste nicht lauter reden, Alter! Geh mir nicht auf den Sack. Schmuss keine Hausaufgaben machen, wenn ich keinen Bock hab. Pisse!‘

-‚So. Ich rede mit Dir, wenn Du mir zeigen kannst, dass du weißt, wie man mit Menschen spricht.‘

‚Können Sie mir nicht helfen, ich kapier das nicht. Ausserdem ist mein Kackstift kaputt.‘

-‚Ich spitze ihn Dir an.‘

‚Ich mach aber trotzdem nix.‘

-‚Das entscheidest Du. Ich bin hier, um Dir zu helfen, wenn Du Fragen hast. Das mache ich gerne. Wir haben jetzt noch 5 Minuten Zeit.‘

‚Scheiße!‘ – Pause – ‚Wie heißt Du eigentlich?‘

‚Frau Knixibix.‘

‚Aha. Und wenn ich nicht will? Ich hab keinen Bock.‘

-‚Dann sind die 5 Minuten gleich rum und Du kannst keine Hausaufgaben mehr machen. Vielleicht, wenn Du nett fragst im Stationszimmer, vielleicht darfst Du sie ja verlängern, die Hausaufgabenzeit. Probier es mal.‘

‚Ey, ich will spielen, ich muss hier nix mehr machen. Scheiße!‘ Stiftknallen. Kopf in die Hände gestützt. Wutstampfer.

Ich gehe raus, die Zeit ist rum und ich bin gespannt auf seine Reaktion. Ich rede kurz mit den Erziehern, erzähle, wie die anderen Kinder ihre Hausaufgaben erledigt haben und nach 3 Minuten schleicht der kleine Zweitklässer hinterher:

‚Darf ich bitte meine Hausaufgaben zu Ende machen? Oder muss ich spielen?‘

Und Hausaufgaben als Privileg verkaufen. Das macht so Spaß.

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