Und neu ist es, in meinem Leben, das nicht in der Schule stattfindet, den Tatsachen zu begegnen, die nicht gewollt sind. Die sich in Größe und Breite in den Weg schmeißen, laut und frech und unbeirrbar. Seifenblasen auslachen und die Farbe Grün mit ihrer Hoffnungslosigkeit beschmutzen.

Und neu ist, dass ich auf dem Weg vom Einkauf zurück in meine kleine, sichere Burg einer Schülerin begegne. Ihr so begegne wie ich mich nicht von ihr verabschiedet hatte: bettelnd, besoffen und verdreckt. Das knallt ins Leben, in die friedlichen Gedanken und frohen Erwartungen. Das knallt mit einer Deutlichkeit, dass zunächst nicht viel passiert. Sie ruft mir hinterher ‚Hübschi, dich kenn ich doch, warte mal. Dreh Dich um. Haste Geld für mich?!‘ Zu lange Denkpause, ich möchte mich nicht umdrehen und sie konfrontieren mit unserer gemeinsamen Vergangenheit. Der Vergangenheit, die ihre Zukunft rosig und ihr alles Gute wünschte. Ich drehe mich um und es passiert doch. Ich stelle mich selber der Situation und warte, was sie mit uns macht. Die Miniaugenblicke, die vergehen bis die junge Frau mich erkennt, sind prall. Prall gefüllt mit Erkenntnis, Emotion, Tatsachen. Die Groschen fallen auf besonders harten Boden. Und plötzlich Lächeln: ‚Entschuldigen Sie mein Aussehen.‘ Ein Lächeln zurückschenken, wohlwollende Worte wechseln und vor ihren Männern sich preisgeben als jemand, der von der anderen Seite kommt. Der mitten im Leben steht und die beiden Lebensfelder miteinander bekannt macht. ‚Ich will wieder zu Ihnen in die Schule. Da war es gut. Aber es geht ja nicht mehr. Ich bin jetzt 18.‘ Mir schwurbelt der Kopf. ‚Das ist schade. Du warst eine fleißige Schülerin.‘ Ein liebes Winken und ‚Alles Gute!‘. Ich gehe weiter und behalte das Bild im Kopf, verstaut gleich neben den Erinnerungen an die Unterrichtszeit, die von der Schülerin ausgefüllt wurde mit Zahlen, Buchstaben, Lob und Spaß. Ausgefüllt, um sich neu zu sehen.

Und ab heute neu ist für mich der Gedanke, in meine kleine Tasche ein paar Aufgabenblätter zu packen. Ihr diese zu geben und dabei augenzuzwinkern. Den Tatsachen damit ein Papierschiff basteln und sie Richtung Meer hinaus schippern auf dem Seifenblasenrinnsal vorm Supermarkt.

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