Und Komplimente sind warm und weich und flauschig und kitzeln das Herz. Sie berühren das Ich und schütteln es wach. Machen, dass das Jetzt und Hier zu einem wichtigen Moment wird. Der Moment, der als Erinnerung am Strand der Erinnerungen Teil einer Sandburg werden kann. Oder eines Kuchens. Knirscht zwischen den Zähnen, aber bleibt in Erinnerung.

Komplimente von Menschen, die in ihrer Seele verwunden sind oder alleine und ohne Unterstützung nicht vom unbequemen Weg zurück finden auf den Pfad, der das Leben so wertvoll macht. Die sind besonders besonders. Wühlen auf, lassen die Augen blitzen und sich bis in die Füße hinein freuen. Weil man merkt, dass sich jemand Gedanken macht, seine Gedanken kreisen, um jemand Anderen kreisen lassen als um sich selbst und seine Erkrankung.

Punktum: heute kam ich fröhlich auf die Station, ließ mir von der Krankenschwester eine Übergabe machen, in der ich Neuigkeiten über die Patienten resp. SchülerInnen bekam. Nach dem Kopieren der Arbeitsmaterialien sammelte ich meine Schüler und Schülerinnen aus der Sitzecke, aus den Zimmern und vom Klo zusammen, um gemeinsam in den Schultag zu starten. An der Schleusentür warten wir dann meist auf den Einen oder die Andere, weil noch Hausaufgaben oder Heimatschulsachen aus den Zimmern geholt werden. In diesen Momenten kommt es oft zu kurzen Gesprächen, Satzfetzen oder Gekicher. Es wird über gemachte oder nicht gemachte Hausaufgaben geredet oder einfach auch geschwiegen. Bis ich dann die Schleusentür öffne und wir dann durch den kurzen Gang ins Klassenzimmer gehen. Und heute war es eine 13-jährige Schülerin mit Alkoholproblemen und Schulverweigerungsproblematik, die mir den Start in den Schultag und ins Wochenende so wertvoll und einfach werden ließ: ‚Wissense was, hier gehe ich so gern zur Schule. Weil die hier Spaß macht und mein Kopp das ganze wichtige Zeug behalten tut.‘ – ‚Uff, da bin ich aber froh, hab ich echt Glück gehabt, ‚ antworte ich. ‚Nee, das ist voll klar, sie sind ja auch eine coole Lehrerin, die mir den Sinn von dem ganzen so leicht klar macht.‘

Und meine Sandburg wird ein Schloss.

(Ich wünsche Euch so was auch.)

Bild: Akzo Nobel

Advertisements